Mein lieber Scholli: Ich habe den „Mein liebster Blog”-Award von Christine Bayer von NINIVEPISCES verliehen bekommen und das freut mich enorm. Zum einen, weil ich jetzt nur noch reich und schön werden muss (berühmt bin ich ja nun). Zum anderen weil so ein Wander-Award zeigt, dass ich trotz der von Christine zurecht diagnostizierten Schreibfaulheit Spuren hinterlasse. Nicht bloß in Suchmaschinen, sondern bei echten Lesern.

liebsteraward_logo

Der „Liebster-Blog-Award“ ist nicht mehr ABER auch nicht weniger als ein motivierendes Schulterklopfen, eine herzliche Umarmung von anderen Food-Bloggern, denen man trotz der unglaublichen Vielfalt an feinen Blog-Angeboten aufgefallen ist. Ziel ist es, mit der Auszeichnung neue bzw. noch etwas „unterbekannte“ Blogs uns Rampenlicht zu rücken, um mehr über diese „Newcomer” zu erfahren. Den kompletten Hintergrund hat Brot & Meer recherchiert.

Bevor ich nun die mit dem Award verbundenen Interviewfragen beantworte, hier ohne Umwege die Liste derer, die heute vom Kochzivilisten den Liebster-Blog-Award verpasst bekommen. Ob sie nun wollen oder nicht aber gewiss aus gutem Grund. Denn die folgende Herrenriege hat schwer was drauf: 

MRK
Lars Richter von MÄNNERKOCHRUNDE kombiniert gar trefflich die Lust an der Küche UND am Gerät. Mit dem Effekt, dass man hier keineswegs nur sauleckere Rezepte, sondern auch die dazu passenden Gadgets präsentiert bekommt. (Männerkochrunde gibt´s auch bei Facebook)

esszettel
Jan Schultheiss vom ESSZETTEL ist mir auch in diesem Jahr schon wieder etliche Beiträge voraus, weil der sich eben kurz zu fassen weiss. Sogar bei richtig anspruchsvollen Kreationen und definitiv ohne, dass dabei in der Kürze was auf der Strecke bleibt. 

HeuteGibts
Bernd Nippert von HEUTE GIBTS ist ein versierter Küchen-Kämpe von dem man viel lernen kann – beispielsweise, vor nix fies zu sein! (Heute gibts gibt´s auch bei Facebook)

RonKochlabor
Ron Franke von RONS KOCHLABOR verliert (wenn er nicht gerade umzieht) regelmäßig die Nerven und macht dann alles rund oder rückwärts oder in Tüten. So oder so: Nach dem Lesen seiner Beiträge ist man erheblich schlauer als vorher! (Ebenfalls bei Facebook)

Cucinaepiu
Werner Danz von CUCINA E PIU koch nicht bloß italienisch, wie der Blogname vielleicht vermuten lässt. Der Mann backt auch noch wie ein Weltmeister und entwickelt sich mit Riesenschritten zum Profi-Pâtissier. Um all das unter zu bringen, braucht´s dann schon mal eine Zweit– oder Dritt-Plattform.

ChiliheadsKitchen
Bei Sven Maser von CHILIHEADS KITCHEN kann ich es kurz machen: Das ist DER Fleisch- und Würstchen-Guru – Amen. (1)

Kochvergnügen
Michael Karl von KOCHVERGNÜGEN – exklusiv bei Facebook – wird von mir unter Missachtung der 200-Follower-Grenze nominiert (200 Follower gewinnt man bei FB erheblich schneller als mit einem puren Blog; das hat er aber nicht), weil ich von ihm wissen will, wie man ständig dermaßen leckeres Zeugs kochen, fotografieren und essen kann, ohne dabei wenigstens ein bisschen aus dem Leim zu gehen. (Michael, das ist deine Zusatzfrage ;-)

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So Jungs, würde mich bannig freuen, wenn Ihr den Award annehmt und euch die Tage mal gaaaanz entspannt an die Beantwortung der folgenden elf Fragen macht (für Michael 12 wg. Zusatzfrage). Und weil die genau so, wie ninivepisces sie ersonnen hat, klasse sind, bleib´s auch dabei. (Zu eurer Beruhigung: Ich Blitzblogger hab jetzt auch bald 14 Tage gebraucht.)

1. Wie bist du zum bloggen gekommen?

Im Prinzip aus Vergesslichkeit. Denn Links zu Studien, Werbung, Marktforschung et cetera, die für meinen Job interessant sind, habe ich immer sehr konsequent abgelegt – und genau damit auch konsequent vergessen. Es sei denn, ich hatte mir die Mühe gemacht, sie in irgendeiner Weise zu kommentieren. Aus solchen Kommentaren ist dann quasi als Zweitverwertung das Möglichmacher-Blog entstanden, das übrigens immer noch online ist.

Als ich dann vor knapp zwei Jahren das Gefühlt hatte, zum Thema Innovationen sei so langsam aber sicher alles gesagt (jedenfalls von mir), gab es einen geringfügig bösen Übergangsartikel, der parallel im alte wie im neuen Blog erschien. Damit wurde die Ära des reine Spaßbloggens eingeleitet, die garantiert noch ein wenig andauern wird. Und da es beim Kochzivilisten vornehmlich um eigene Rezepte und eigenen Unfug geht, ist das Aufschreiben natürlich doppelt wichtig. Es macht ja sonst keiner (seufz).

2. Wie sieht dein Frühstück aus?

Gar nicht, es sei denn ein Pott Milchkaffee geht als solches durch. Ausnahmen mach ich gelegentlich in Hotels mit englischem Frühstück.

3. Was für eine Technik verwendest Du beim Zwiebel- und Gemüseschneiden?

Oha, wie erklärt man das jetzt … Schalotten pellen aber – wichtig! – den Strunk hinten als Anpäck dran lassen (geht auch mit Zwiebeln, ist mit langen Schalotten aber einfacher). Dann vom Strunk/Anpäck aus längs bis zur Spitze zwei, drei mal einschneiden, 90 Grad um die Längsachse drehen und hier ebenfalls ein- bis zweimal schneiden. Jetzt ganz normal von vorne nach hinten in Scheiben schneiden, die ja dank der vorherigen Längsschnitte quasi vollautomatisch in gleichmäßig kleine Würfelchen zerfallen. Das geht jetzt so flott, das kaum noch Tränen fließen.

Da bei allen anderen Gemüsen kaum Heulerei zu erwarten ist, schnibbele ich die, widewidewie sie mir unters Messer kommen. (Ausnahme Chili: Bei den roten Dingern nehme ich immer Einweg-Handschuhe.)

4. Was machst du lieber: kochen oder backen?

Kochen, weil ich das etwas besser kann, weshalb die Erfolgserlebnisse beim Backen für mich auch um so größer sind.

5. Was ist für dich wichtig bei der Präsentation von Deinen Gerichten, welche Techniken verwendest Du dabei?

Die NiDAF-Technik©, den Kennern unter uns Kochzivilisten auch als die Nicht-Direkt-Auffressen-Technik geläufig. Da ich bei der Anwendung dieser Methodik gelegentlich etwas inkonsequent bin, gibt es manchmal halt nur Fotos von Zutaten oder Vorstufen. Is halt so.

6. Arbeitest du gerne mit anderen Menschen in der Küche zusammen?

Heute ja, was nicht immer so war. Vor einigen Jahren, gerade als es um die Planung unserer neuen Küche ging, hatte ich es nämlich wiederholt mit Zeitgenossen zu tun, die mich zwar ohne Absicht aber dennoch höchst wirkungsvoll darin bestärkten, für den Rest meines Lebens einsam und alleine, nur mit meiner treuen KitchenAid und ein paar Global-Messern bewaffnet dem Sonnenuntergang entgegen zu kochen. Mit anderen Worten: Ich wollte partout eine geschlossene, unser Architekt hingegen eine offene, explizit auf Gemeinsamkeit ausgelegte Küche. Und da der ähm … „Beharrlichkeit” des Architekten nicht beizukommen war (Mischa sei Dank, wie ich zugeben musste) koche ich heute sehr gerne zusammen mit anderen (siehe Nudelnight).

7. Wie bereitest Du Deine Blog-Fotos und welche Gesichtspunkte sind Dir wichtig, um schöne Fotos aufzunehmen?

iphone4

Hardware: iPhone 4. Beleuchtung: Küchenfenster. Alternativ 13 Downlights in der Küchendecke plus 6 in der Dunste falls es draußen schon zu duster ist. Software: Snapseed-App (wahlweise auf iPhone oder Mac) sowie ganz selten mal eine Prise Big Lens-App [Dieses Foto wurde mit dem iPhone 5 meiner Göttergattin geschossen.]

Bei mir wird ausnahmslos alles, was nicht bei Drei die Kühlschranktür hinter sich zugezogen hat, mit einem alten iPhone 4 (ohne S) geknipst. Die etwas unzeitgemäßen 5 Megapixel reichen bei genügend Licht und ein bisschen digitaler Aufhübschung völlig aus – mir jedenfalls. Eine ruhige Hand ist unter solchen Umständen natürlich hilfreich. Aber so schnell sind Kohlrouladen ja auch nicht. Ansonsten gilt: Ausschließlich eigene Fotos und die aus Prinzip quadratisch.

8. Wie gehst du mit Unverträglichkeiten (oder anderweitig begründeten Ablehnungen gewisser Lebensmittel) um – sei es als Betroffener oder in deinem Umfeld?

Bei medizinischen Unverträglichkeiten (ich kenne mich da selbst ganz gut mit Neurodermitis und ähnlichen Allergie-Unpässlichkeiten aus) hilft am besten eines: den Auslöser weglassen, zumindest phasenweise. Bei religiösen Vorbehalten kann man prima mit Bündnerfleisch statt Speck und Lamm- statt Schweinsdarm punkten. Und koschere Küche kann ich nicht, kenne und schätze sie aber aus die Kurve.

Für Vegetarier koche ich gerne Gemüse- oder Tofu-Varianten (das richtige Zeug hat was!), vorausgesetzt ich weiß das vorher. Ein erst am Tisch geseufztes „auch auf mich braucht ihr doch keine Rücksicht zu nehmen“ kommt eindeutig zu spät und versaut mir das angestrebte Erfolgserlebnis, rechtzeitig für eine leckere Alternative gesorgt zu haben.

Und grundsätzlich finde ich: Je stärker „Unverträglichkeiten” von persönlicher Gesinnung geprägt sind, um so anstrengender werden sie. Wenn mir Jemand, den ich erst vor wenigen Minuten auf einer Party kennen gelernt habe, die charmante Frage um die Ohren haut, wie ich denn damit leben könne, dass man der armen Mama-Kuh nur für meinen doofen Milchkaffee das weinend-blökende Kälbchen entreißt, geht mir das in dem Moment zu weit. Das müffelt mir dann zu säuerlich nach selbsterklärter moralischer Überlegenheit. Aber wie sagte doch Wladimir Kaminer vor kurzem: „In unserer Zeit des Atheismus ist das der neue Ablasshandel: kein Fleisch, damit die anderen Sünden vergeben werden.” (Stern 20.2.2014, S. 26)

Ach ja und eines noch: „Kenne ich nicht, mag ich nicht” ist keine Unverträglichkeit, sondern bloß eine Unsitte ;-)

9. Was ist Dein Liebling Restaurant und warum gehst Du da so gerne hin?

Die wechseln immer wieder. Wobei ich schon diese in Düsseldorf weit verbreitete, prima zur rheinischen Unverbindlichkeit passende Mischform der Barrestaurantkneipe bevorzuge. Da kann man nämlich spontan nur mal eben auf´n Vino hin und wenn einen dann der Hunger packt, sättigen grüne Tagliolini mit gebratener Salsiccia, gegrillte Sepia mit Kichererbsen oder einfach nur Hinkel-Brot mit frischen Dips ganz vorzüglich und ganz ohne noch mal umziehen zu müssen.

Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich meine allzeit Lieblings-Trattoria so vernachlässigt habe. Sorry Basilio. Den oder Giuseppe sollte man unbedingt nach Rognoni (Nierchen zum Niederknien) fragen. Oder noch besser nach Zuppa di lenticchie (Linsensuppe wie bei Muttern), Fegato con burro e salvia (kriegt Niemand sonst so hin) und natürlich nach Spagetti alla carbonara (steht nicht auf der Karte und wird, wie es sich gefälligst gehört, ohne Sahne gemacht). All das kommt da nämlich seit über 20 Jahren in konstant perfekter Qualität auf die karierte Tischdecke (also nicht direkt, da ist schon noch ein Teller dazwischen). Ganz ohne Chichi, Küsschen links-rechts-links und ohne mehr sein zu wollen, als die Trattoria Emiliana.

10. Was liest du gerne, außer Kochblogs und Kochbüchern? 

Privat wird eher gehört als gelesen. Mit einer aktuellen Ausnahme: Die Toskana Männer von Michael Frey Dodillet. Grandios – echt jetzt, versprochen (!) und das sage ich nicht, weil Thomas von Markus so schön das Kochzivilisten-Prinzip nebst Pfefferrezept erklärt bekommt.

Ansonsten genieße ich so oft es geht und somit auch beim Kochen die Stimmen von Vorlese-Profis a la Oliver Rohrbeck, Simon Jäger, Michael Che Koch und David Nathan. Einfach mal die Namen anklicken und in das jeweils hinterlegte Kochzivilisten-Lieblingshörbuch reinhören (der kleine grüne Pfeil unterm Cover ist etwas versteckt).

Und wenn die Autoren selbst vorlesen, was viel zu selten vorkommt, dann kann auch das ein Hochgenuss sein – Hauptsache es ist mit Känguru. (Herr Frey Dodillet, mit Otto würde auch funktionieren.)

11. Welche Lebensmittel oder Zutaten sind bei Dir Tabu?

Öhm … das is jetzt aber ne Fangfrage, oder?

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(1) Korrekt hätte es natürlich heißen müssen: „Hobby-Botaniker im Bereich der Nutzpflanze Chili mit einem leichten Hang zur Wurstküche und Long-Jobs am Grill” ;-)

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