Zugegeben: Bei der Headline müsste die Rubrik eigentlich „Zungenbrecher des Monats“ anstatt „gefunden“ heißen. Tut sie aber nicht, weil monatlich arg ambitioniert wäre und Zungenbrecher bei einem Kochblog irgendwie das falsche Geschmäckle hat. Allerdings spiele ich mit dem Gedanken, aus „Fettfrei dicke Flipbox-Vakuum-App-Eier bis die Schwarte kracht” einen kleinen Sound-Contest zu machen. Aufgabe: Headline drei mal hintereinander so schnell und so wohltönend wie möglich aufsagen, als Sounddatei mailen und nix gewinnen
– außer dem Spass, sich über andere zu beeumeln. (Für die Jüngeren unter uns: beeumelnROFL, gebräuchlich, als es noch gar keine PCs gab, um ins Internet zu kommen und abendfüllende Computeranimationen so aussahen.)

Jedenfalls hat sich seit dem Start des Kochzivilisten im Juni allerhand angesammelt. Vielfach Firlefanz aber ab und an auch genau die kleinen Fundstücke, die aus der richtigen, weil völlig subjektiven Perspektive betrachtet schick-praktisch, monströs grün, luftleer gegart oder auch zart-unknusprig genug sind, um hier gepostet zu werden.

Schick-praktische Flipbox – leider voll.

Auf der letzten Düsseldorfer Fressmeile am Stand des österreichischen Gewürzspezialisten WIBERG gesehen und für genial befunden: Endlich eine gleichwohl durchdachte wie schicke Gewürzdose, die mit nur einer Hand bzw. einem „Flip“ zu öffnen und zu schließen ist und die dabei eine kleine Schütte ausklappt, mit der sich ganz famos dosieren lässt. Mit Abstand das beste Gewürzbehältnis, das mir bislang untergekommen ist. Blöd nur, dass Wiberg keine Leer-Dosen rausrückt, was bei einem Gewürzhersteller zwar nachvollziehbar aber für die Aufbewahrung eigener Mischungen nichtsdestotrotz unbefriedigend ist. Solcherlei Unbill versüßen einem die Salzburger aber mit allerlei interessanten Ethno-Mischungen, die (m)ein Ingo Holland-Sortiment weitestgehend überschneidungsfrei ergänzen.

Dicke Eier – leider teuer.

Das Big Green Egg auf der oben erwähnten Fressmeile war laut Auskunft des Grillmasters mit 95 kg das größte Modell (ich meine den Grill, der Master war bedeutend leichter). Nachdem ich dann auch mal den Deckel lupfen durfte steht fest: Noch größer und ein fest unter der Hangar-Decke installierter Flaschenzug wäre ratsam. Kurzum ein bombiges Spielzeug für jeden Grill Sergeant, der mit dem HMMWV zum Würstchenholen fährt und tiefe Verachtung für Kochzivilisten mit leichtem Weber- oder Outdoorchef-Gerät empfindet. So gesehen also für den ein oder anderen eine Überlegung wert, wären da nicht die offiziell aufgerufenen 2.000 Euronen – zuzüglich der Kosten für den Transall-Abwurf des Grilleis im eigenen Vorgarten, versteht sich.

Ferkel im Kochbeutel – leider knusperfreie.

Verzeihung, meine natürlich nicht Kochbeutel, sondern Sous-vide, dem seit 40 Jahren bekannten aber jetzt gerade ganz besonders wahnsinnig super schicken Niedertemperatur-Garen in einer gut entlüfteten Plastiktüte, bei dem einem fast alle Quellen suggerieren, dass ein so zubereitetes Stück Fleisch überhaupt nur dann eine Chance hat, wenn man es bei undiskutierbar exakten 63,47329º Celsius der „Thermalisierung“ aussetzt. Warum steht da nicht, was wohl auch gut so ist. Sonst würde sich die für den ambitionierten Hobbykoch überlebensnötige Präzisionstechnik nur noch halb so gut verkaufen. Dabei reicht durchaus ein Küchen-Equipment für 18 Eurolinchen, um zwei mal 35 Zentimeter Rippenstrang vom Spanferkel-Kotelett butterzart zu bekommen.

Kotelett-Rippenstrang nach Belieben mit ein wenig Knoblauch spicken und richtig kräftig mit Salz, Pfeffer und frischen Kräutern einreiben. Im Vakuumbeutel einschweißen. Backofen auf 75º aufheizen (bitte mit dem 6-€-Backofe-Thermometer kontrollieren). Wasser im großen Bräter auf 70º aufheizen (bitte mit dem 12-€-Braten-Thermometer kontrollieren). Vakuumtüte in den Pott mit 70º-Wasser, Pott mit Wasser in den 75º-Ofen, Klappe zu – fertig. Um genau zu sein: FAST fertig. Nach 3 ½ Stunden sind Fleisch und Schwarte nämlich gleichermaßen butterzart. Beim Fleisch ist das prima, bei der Schwarte möchte man´s aber doch eher etwas knusprig, weshalb nun alles noch kurz auf oder unter den Grill komm. Ich finde, mein Schweinchen lässt sich durchaus sehen. Aber richtig kross ist trotzdem anders. Ich arbeite dran und bin für sachdienliche Hinweise dankbar.

Was übrigens die optimale Kombination aus Zeit und Temperatur angeht:

Die liefert einem die neue, meines Erachtens gelungene Sous Vide °Celsius-App, die zudem auch sehr schön klar stellt, wann denn nun wirklich exakte Temperaturen nötig sind. (Last euch von den überpingeligen Kritiken nicht irritieren. Die App ist eine feine Hilfe.)

Kochsimulation – leider fettlos

Das ist um so bedauerlicher, als dass ja hinlänglich bekannt ist, dass Fettflecken wie neu werden, wenn man sie täglich mit Butter bestreicht. Blöderweise kann man mit dieser Erkenntnis hier rein gar nicht anfangen.

(via Gizmodo)

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